Geschichte des Tampondrucks

So funktioniert der Tampondruck
Geschichte des Tampondrucks

Bereits im Jahre 1448 – 1457, als Gutenberg in Mainz den Buchdruck erfunden und die bekannte Gutenberg-Bibel gedruckt hat, sprach man ueber das Drucken von der „Schwarzen Kunst". In der Tat, es ist bis heute eine Kunst geblieben. Zwar nicht unbedingt nur eine „Schwarze“, denn heute ist die Druckkunst eher bunt und schrill. Wenn auch schon seit Jahren der Computer die beweglichen Letter ersetzt hat, ist es umso mehr eine bemerkenswerte Kunst, was dem Betrachter am Ende als Ergebnis geboten wird. Im Uebrigen ist es beim Drucken durchaus eine Kunst, keine schwarzen Finger zu bekommen, die schwarzen Finger geschickt zu verbergen, ist ebenfalls eine Kunst, wenn auch eine „andere“.

Richtig kombiniert!

Schon zu "Gutenbergs Zeiten" - damit beginnt an jeder gewerblichen Fachschule fuer das Druckerwesen der Geschichtsunterricht - waren fuer das Drucken vier Dinge erforderlich: Papier, bewegliche Lettern, ein Druckrahmen und Druckerschwaerze!

Druckgeschichte
Zwischen Gutenbergs Buchdruck und der Erfindung des Tampondrucks liegen nahezu 500 Jahre Druckgeschichte.

Nicht selten stolpern unbedarft Zeitgenossen, aber auch so manch altgedienter „Druckexperte“ ueber den Begriff „Tampondruck“. Da stellt sich oftmals die verdutzte Frage: was ist eigentlich Tampondruck? Wo kommt er her, wie ist er entstanden und fragen sie sich nicht auch, was ist in diesem Zusammenhang ein Tampon? War da nicht etwas mit Gutenberg, der zum Einfaerben seiner Druckplatten einen sogenannten „Tampon“verwendet hat?

Gutenbergschen Druckkunst
Tampon zum Einfärben von Druckplatten

Der Tampon bei Gutenberg war ein mit Stoff und Rosshaar gefuellter Ballen, mit einem weichen Leder ueberzogen.Damit wurde Druckerschwaerze auf die Drucktypen aufgebracht. Der weiche Ballen ermoeglichte ein gleichmaessiges Verteilen der Druckerschwaerze auf die Unebenheiten der Drucktypen. Kein Wunder, dass man da ehrfurchtsvoll von "Druckkunst" sprach, denn neben der Kreativitaet des „Meisters“, (die nur ihm vorbehalten war) war es fuer die Druckgesellen ueberwiegend Knochenarbeit, die Druckstoecke samt Lettern gleichmaessig mit Druckerschwaerze einzufaerben.

Einfärben von Druckplatten
Einfärben von Druckplatten

Druckerschwaerze nannte man frueher die Druckfarbe, mit welcher der Buchdrucker seine Druckplatten eingefaerbt hat. Diese Druckerschwaerze wurde frueher aus Russ hergestellt, der zunaechst fein pulverisiert und dann mit Leinoel angemacht wurde. Diese schwarze Paste musste ja irgendwie auf die Druckplatten aufgetragen werden und dafuer nutzte Gutenberg, – sie ahnen es vielleicht – einen sogenannten „Tampon“.

Ziffernblätter der Schweizer Uhren-Manufaktur

Die Schweizer Uhren-Manufaktur erlebte um die Jahrhundertwende 1900 einen Boom. Jeder Schweizer wollte eine Taschenuhr besitzen und die Schweizer Uhrenmanufaktur konnten den gesteigerten Bedarf nicht schnell genug decken. Wurden zu Beginn der Uhrenmanufaktur in der Schweiz die Zifferblaetter noch von Kuenstlern entworfen, gestaltet und manuell gezeichnet, so war es bei dem enormen Bedarf nicht mehr denkbar, diese kuenstlerische Produktionsweise beizubehalten. Und wer Uhren bauen wollte, die nicht nur Kunstwerke, sondern auch erschwingliche Gebrauchsgegenstaende waren, musste Loesungen schaffen, um diese Aufgaben moeglichst rationell loesen zu koennen.

Flachdruckmaschine
Was kam nach Gutenberg?

So wie sich das Drucken in der Folge der Jahrezehnte entwickelt hat, hat sich auch die Technik dazu weiter entwickelt und bereits im Jahr 1800 gab es die erste Flachdruckmaschine mit Rolleneinfaerbung. So geriet der „Tampon“ allmaehlich in Vergessenheit, bis ihn um die vorletzte Jahrhundertwende, also um das Jahr 1900 herum, findige Schweizer Uhrmacher wieder aus der Versenkung holten, um ihn als zweckmaessiges Werkzeug fuer ihr Handwerk nutzbar zu machen.

Warum sollte man mit einem balligen Stempel nicht auch auf gewoelbte Oberflaechen drucken koennen, wenn sich der Stempel, durch seine weiche Form ,dieser Oberflaeche zwangslaeufig anpassen liess. Darauf hin wurden zunaechst halbrunde Stempel aus Gelatine gegossen. Gelatine konnte man in Formen giessen. Sie war weich und elastisch, und liess sich jeder beliebigen Form anpassen. So kristallisierten sich - durch praktische Versuche - Stempel in Ballen- und Tropfenkontir als ideale Form heraus, die sich auf perfekte Weise auch an gewoelbte Oberflaeche anpassen liessen. Durch Druck von oben ging der Stempel in die Breite und wickelte sich dabei gleichsam von der Mitte nach Aussen auf der Druckflaeche ab. Damit war klar, dass sich so ein Stempel auch auf unregelmaessig geformte Oberflaeche anwenden laesst.

Stempelmaschine

Da kam ein Zulieferer der Schweizer Uhren-Manufaktur auf die Idee eine Stempelmaschine zu bauen, mit der man - an Stelle von Pinsel und Farbe - das Motiv in einem Arbeitsgang auf ein Zifferblatt stempeln konnte. Die Idee war bahnbrechend und sicher auch genial, denn mit dieser Idee sollte man tatsaechlich in der Lage sein, die Herstellung von Zifferblaettern geradezu explosionsartig zu vermehren. Die Aufgabe war klar, doch die Ausfuehrung nicht leicht, denn alle Zifferblaetter waren mehr oder minder gewoelbt und es war nicht gerade einfach, dafuer einen passenden Stempel zu finden, der sich der gewoelbten Oberflaeche eines Zifferblatts anpassen liess. Bis einem findigen Tueftler jener Zeit der Tampon in den Sinn kam, mit dem die Buchdrucker einst ihre Druckstoecke einfaerbten.

Tampondruckmaschine

Die Schweizer Uhrmacher erkannten sofort die Aehnlichkeit mit dem Tampon aus "Gutenbergs Zeiten" und nannten das Verfahren Tampondruck. Schliesslich stammt das Wort "Tampon" aus dem franzoesischen und bedeutet nichts anderes als Stempel oder Ballen. So entwickelte sich der Tampondruck und die Schweizer Uhrenhersteller drucken seit jener Zeit, mittlerweile mehr als 100 Jahren, ihre Zifferblaetter mit sogenannten Tamponier- oder auch Tampondruckmaschinen. Doch kaum jemand, der heute einen fluechtigen Blick auf seine Uhr wirft, hat sich jemals Gedanken darueber gemacht, wie die Ziffern und die Gradeinteilung auf das Zifferblatt aufgebracht werden. Die Geschichte geht noch weiter, denn bis dahin war noch lange nicht bekannt, welche weiteren Moeglichkeiten es geben sollte, den Tampondruck auch fuer andere Aufgaben nutzbar zu machen.

gravierte Druckplatte

Eine gravierte Druckplatte (vergleichbar einer Tiefdruckplatte) diente gleichsam als Druckplatte. Sie wurde mit Druckfarbe eingefaerbt und danach mit einer elastischen Rakel blank abgezogen. Die in der Vertiefung der Druckplatte (genannt Klischee) verbleibende Druckfarbe (das eigentliche Druckmotiv) wird durch das Aufpressen des Stempels gleichsam angesaugt und im naechsten Arbeitsgang (nach dem Stempelprinzip) wieder auf das Druckgut abgegeben. Vom Prinzip fast wie Kartoffeldruck, nur mit dem Unterschied, dass nicht die Kartoffel (also der Stempel) das Druckmotiv bestimmt, sondern das eingefaerbte Motiv aus der Druckplatte.

Die Technik der Schweizer Tamponiermaschine war fuer die Aufgaben nicht optimal, doch mit einigen technischen Aenderungen bekam man die Aufgabe in den Griff. So entstand, nach etlichen Versuchen und Anpassungen eine Maschine, die letztlich der ihr zugedachten Aufgabe gewachsen war und die Skalenscheiben konnte termingerecht gefertigt und geliefert werden.

Erste Tampondruckmaschine von Tampoprint
Erste Tampondruckmaschine von Tampoprint

1968 hatte der Graveurmeister Wilfried Philipp aus Stuttgart den Auftrag, Skalenscheiben zu gravieren um sie mit einer Teilung zu versehen. Viele Scheiben sollten graviert werden und das in einem kaum durchfuehrbaren, knappen Terminrahmen. Da erinnerte sich der findige Graveur jener Tamponiermaschine die er auf einer Uhrenausstellung in der Schweiz gesehen hat und mit welcher man moeglicherweise solche Skalen in einem Arbeitsgang haette drucken koennen. Der Entschluss war schnell gefasst und es wurde eine Tamponiermaschine aus der Schweiz angeschafft, um den Auftrag mit den Skalenscheiben termingerecht realisieren zu koennen.

„Tampoprint“ ist mittlerweile weltweit ein gelaeufiger Begriff fuer dieses einmalige Druckverfahren, das vom Tief- und Offsetdruck abgeleitet wurde und welches noch heute eine ueberaus grosse Bedeutung hat, bei der Kennzeichnung und Bedruckung von Gegenstaenden. Die Entwicklung die danach begann setzte Massstaebe, denn schnell wurde klar, dass es kaum ein besseres, einfacheres und effizienteres Verfahren fuer die technische Druckanwendung im Bereich Koerperdruck gab. Es gibt in unserem hoch technisierten Zeitalter eine Fuelle von Produkten, die - aus den unterschiedlichsten Gruenden - gekennzeichnet werden muessen. Dazu leistet der Tampondruck hervorragende Dienste. Gewiss kann man mit dem Tampondruck nicht alle drucktechnischen Aufgaben gleichermassen gut loesen, doch dieses Druckverfahren eignet sich wie kein anderes fuer den filigranen und praezisen Koerperdruck auf unebenen, rauen wie unregelmaessig geformten Oberflaechen.

Wilfried Phillip
Wilfried Phillip

der findige Graveurmeister fand nach diversen Versuchen heraus, dass sich Tampons besser aus Silikon herstellen lassen und zudem bessere Eigenschaften haben, als die bis dahin bekannten und verwendeten Tampons aus Gelatine. Man waren verbluefft und erstaunt zugleich, ueber die Qualitaet dieses Druckverfahrens und die vielfaeltigen Moeglichkeiten, die sich daraus ableiten liessen. Druckplatten wurden anfangs aus Leiterplattenmaterial hergestellt und die Ideen wuchsen mit den Aufgaben. Die Maschinen wurden an die verschiedenartigsten Aufgaben angepasst und allmaehlich entwickelten sich Druckloesungen fuer eine Vielzahl von Anwendungen. So entstanden die ersten Druckmaschinenproduktion in Deutschland, die noch heute den Namen "Tampoprint" traegt.

Ende

Zwischenzeitlich hat das Druckverfahren weltweit eine Vielzahl von Maschinenbauern auf den Plan gerufen, Tampon-Druckmaschinen zu bauen, um den weltweit boomenden Bedarf zu bedienen. Jedoch nicht alles was wie eine Tampondruckmaschine aussieht und als solche angepriesen wir, ist in der Lage, die - an das Druckverfahren - gestellten technischen Anforderungen zu erfuellen. Tampondruckmaschinen sind in der Regel aufwaendig und stabil konstruierte Maschinen. Die obligatorisch geforderte Wiederholgenauigkeit beim Drucken und der damit verbundene Kraftaufwand, sind wichtige Eigenschaften fuer die praezise Reproduktion von Druckergebnissen. Der Einsatz aggressiver Druckfarben und Loesemittel, in Verbindung mit dem obligatorisch erforderlichen Reinigungsaufwand, verlangt hohe Anforderungen an Material und Technik. Tampondruckmaschinen sind in der Regel langlebige Wirtschaftsgueter, deren Druckqualitaet sich auch noch nach jahrelangem Gebrauch zeigt, wenn die Druckpraezision, trotz taeglichem Einsatz, noch wie am ersten Produktionstag eingefordert werden kann.